Finale Liebe

Aus „Prantls Blick“ Newsletter, Heribert Prantl, 04. 07. 2021, Prantls Leseempfehlungen

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Vielleicht erlebt die Linke eines Tages ja auch einen großen Aufschwung, so wie ihn in den ersten Monaten des Jahres 2021 die Grünen erlebt haben. Sollten die Linken dann auf die Idee kommen, eine Kanzlerkandidatin zu küren sie müsste Petra Pau heißen. Diese Petra Pau, Vizepräsidentin des Bundestages seit 2006, ist eine grundehrliche und kluge, eine pfiffige, nachdenkliche und bescheidene Frau, die schon jetzt einige Bücher publiziert hat also lange bevor sie womöglich Kanzlerkandidatin geworden ist. Ihre Bücher sind nicht bildungshuberisch und erheben nicht explizit den Anspruch, dass sie "Jetzt" das Land verändern wollen. Dafür sind sie originell.

Das neueste Buch heißt „Gott hab sie selig“; es sammelt „Neue Anekdoten von anomal bis digital“ aus dem politischen Alltag der Petra Pau. Es sind 99 kleine Kapitel, die sich sehr kurzweilig lesen aber auch, ganz nebenbei, programmatische Grundaussagen enthalten. Zum Beispiel die: „Linke im 21. Jahrhundert müssen natürlich sozial engagiert, also Rote sein, aber zugleich Grüne und Piraten.“ Wenn sie über die DDR schreibt, dann so: Das „ist kein Plädoyer für rückwärtige Ostalgie, sondern Kritik an asozialer Westalgie“. Das Büchlein von Pau ist schon das zweite Anekdotenbuch, das den lieben Gott im Titel hat. Das erste hieß „Gottlose Type“, und dieser Titel ging auf den Zwischenruf eines CSU-Politikers zurück. Pau philosophiert darüber so: „Engagierte Linke können durchaus auch Christen sein. Gute Christen müssen eigentlich immer links sein.“ Im Kapitel „Finale Liebe“ geht es um Paus Patenschweine im Schweinegehege des Tierparks Kunsterspring. Nach Frieda und Gerda wurde sie Patin eines Jungebers namens Oskar. Sie schreibt über ihn: „Er war fleißig und liebte das Leben, bis zum Schluss. Im September 2020 schrieb mir der Tierparkdirektor: Oskar ist tot. Er starb beim Geschlechtsverkehr.“

Petra Pau, Gott hab sie selig. Neue Anekdoten von anomal bis digital. Das Buch ist im Berliner Quintus-Verlag erschienen. Es hat 103 Seiten und kostet 10 Euro.
 

 

 

4.7.2021
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