Fünf Fragen an: Petra Pau, Bundestagsvizepräsidentin, Die Linke

15. April 2014, Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Fünf Fragen an Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau über den Karfreitag, das Versagen der Zivilgesellschaft und eine mitmachende Einmischung der Kirche. Sie beteiligt sich in der Karwoche an einer kirchlichen Prozession durch die Mitte Berlins.

Petra Pau ist Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf, geborene Berlinerin, evangelisch getauft und konfirmiert. Mit 16 Jahren trat sie aus der Kirche aus.
Sie engagiert sich für Bürgerrechte und Demokratie und gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus.

Rogate-Frage: Frau Bundestagsvizepräsidentin Pau, Sie sprechen auf einer ökumenischen Karfreitagsprozession in der Mitte Berlins. Ist der Karfreitag für Sie persönlich religiös geprägt?

Petra Pau: Die mit der Prozession ausgedrückte Solidarität mit dem Schmerz und dem Leiden Christi und damit der Welt ist mir sehr nahe und ich freue mich, mit engagierten Menschen, die ihre Motivation aus der Bibel, dem Kapital von Karl Marx oder anderen Quellen ziehen, diese Solidarität und Verantwortung öffentlich zu demonstrieren.

Rogate-Frage: Das diesjährige Themenjahr „Reformation und Politik“ der Evangelischen Kirche in Deutschland war für die Organisatoren der Anlass, Politikerinnen und Politiker um aktive Teilnahme an der Prozession zu bitten. Die Texte, die sie vorlesen, haben Bezüge zu Leidens- und Schuldgeschichten, die eng mit der Historie der Stadt verknüpft sind. Was werden Sie lesen und welche Botschaft haben Sie für die Teilnehmenden?

Petra Pau: Themen meines Textes sind das Versagen der Zivilgesellschaft insbesondere auch der Kirchen im Jahr 1933 am Beispiel des übervollen Dankgottesdienstes in der Marienkirche zwei Tage nach der Machtübernahme der Nazis. UND die Kraft von Zivilcourage und Solidarität, die von den Protesten der Frauen in der Rosenstraße 1943 ausging. Mit ihren Protesten gelang es ihnen, die Nazis zur Freilassung ihrer jüdischen Ehemänner zu bewegen.
Meine Botschaft für die Gegenwart und Zukunft lautet: Schaut nicht weg, mischt euch ein und seid an der Seite der Schwächeren und Ausgegrenzten.

Rogate-Frage: Wie ist Ihr Verhältnis zu Gott, zum Glauben und zur Kirche?

Petra Pau: Ein sehr persönliches, welches in den letzten Jahrzehnten immer weniger mit der Institution Kirche zu tun hat.

Rogate-Frage: Was würden Sie der Kirche gern ins Stammbuch schreiben?

Petra Pau: Ich erlebe viele engagierte Christinnen und Christen in allen gesellschaftlichen Bereichen und kämpfe zum Beispiel mit ihnen für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen.
Ich wünschte mir und Ihnen in den wichtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Krieg und Frieden, soziale Gerechtigkeit und Bürgerrechte und Demokratie erkennbare, mitmachende Einmischung der Institution Kirche.

Rogate-Frage: Wie sehen Ihre weiteres Ostertage aus, gibt es noch weitere Berührungspunkte mit der religiösen Dimension des Fests?

Petra Pau: Die weiteren Ostertage gehören der Familie und der Besinnung. Vielleicht treffen wir uns ja in den Gärten der Welt in Marzahn. In den einzelnen Themengärten wie auch im Blütenmeer ringsherum, gibt es viele Anstöße und Anregungen dazu.

Herzlichen Dank!

Hinweis: Die ökumenische Karfreitagsprozession wird am Karfreitag, 18. April 2014, ab 11.00 Uhr, durch die Innenstadt ziehen. Beginnend am Berliner Dom endet sie an der St. Hedwigskathedrale auf dem Bebelplatz. Bischof Markus Dröge, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein und der katholische Weihbischof Matthias Heinrich nehmen teil. Erwartet werden neben Petra Pau, Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender Die Linke, Bettina Jarasch, Vorsitzende des Landesverbandes Bündnis 90/Die Grünen, Cornelia Yzer, Berliner Wirtschaftssenatorin und Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte. Mehr über Petra Pau erfahren Sie hier.
 

 

 

15.4.2014
www.petra-pau.de

 

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